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Die Chronik der Tierhilfe Seesen

Eine Idee: 

Im Sommer 2004 entstand bei einigen aktiven Tierschützern aus dem Landkreis Goslar der Gedanke für den Bereich Seesen und Umgebung ein eigenes Tierschutzprojekt ins Leben zu rufen.

Grund dafür waren die unkastrierten, streunenden Katzen, die sich zahlreich auf den Straßen vermehren und durch Krankheiten oder Autounfälle sterben. Aber auch die Notwendigkeit der Aufnahme von Hunden, Katzen und anderen Haustieren, die ihr Zuhause verlassen müssen, stand im Vordergrund.

Durch Zufall ergab sich im August 2004 die Möglichkeit durch die ehemalige Tierpflegerin Silvia Quittkat diese hilfebedürftigen Tiere artgerecht unterzubringen und zu versorgen. Hierzu waren aber sehr viele amtliche Wege zu beschreiten, um eine Genehmigung von der Stadt Seesen und dem Landkreis Goslar zu erhalten.

Zunächst schien daher die Durchführung fast unmöglich, bis dann doch am 08. Dezember 2004 nach langem Hoffen die Erlaubnis erteilt wurde.

Die Umsetzung:

Die Tierpflegerin mietete zunächst in Seesen / Münchehof Räumlichkeiten und Grundstücke zur Unterbringung der Tiere an. Mit erheblichem Kostenaufwand wurden Zwinger und ein großer Auslauf für Hunde, sowie Zimmer für Katzen und ein Gebäude für Nutztiere geschaffen. Somit war der erste Grundstein gelegt.

Am 15. Dezember 2004 konnte „Silvis Haustierservice“ mit einer Tierpension, dem Verkauf von Tierfutter & Zubehör und einem Tierfriedhof eröffnet werden um die Versorgung der herrenlosen und bedürftigen Tiere finanziell zu ermöglichen. 3 Monate später erwarb Frau Quittkat das gesamte Anwesen, welches über einen Wohn- und Nutzraum von 600 qm und insgesamt 18.000 qm Grund verfügt. Viele Schützlinge fanden dort Rettung und ein neues Zuhause. Dennoch fehlte es an Unterstützung, denn der finanzielle und zeitliche Aufwand für die Unterbringung und Versorgung der Tiere wurde immer größer. Nach 2,5 Jahren Tierschutzarbeit befand sich Silvi an einem Punkt, wo ihre Mittel und Möglichkeiten Grenzen erreicht hatten. Es musste endlich die Vereinsgründung erfolgen.

Die Gründungsversammlung

Am 08. Juni 2007 um 19.00 Uhr war es dann soweit: 10 Tierschützer trafen sich zur Gründungsversammlung in Seesen / Herrhausen, um die Tierhilfe Seesen und Umgebung e.V. ins Leben zu rufen. Nach einem Rückblick auf die bisher geleistete Tierschutzarbeit erfolgte die Wahl der Vorstandsmitglieder und die Verabschiedung der Satzung. Der zweite Grundstein war gelegt.

Die amtlichen Schritte

Nun waren noch zwei Hürden zu nehmen: Die Gemeinnützigkeit des Vereins und die Registrierung ins Vereinsregister. Der Freistellungsbescheid wurde am 01. November 2007 erteilt. Die Registrierung dauerte etwas länger, denn durch einen Fehler des Notars musste der Antrag korrigiert werden. Doch dann, am 23. November, kam endlich der lang ersehnte Bescheid des Amtgerichts Braunschweig. Geschafft!

2007 - das erste Jahr

Bekanntlich ist aller Anfang schwer, so auch für den neu gegründeten Verein. Der Vorsand musste sich zunächst in die Materie einarbeiten und die Finanzlage entwickelte sich nur schleppend. Dennoch startete die Tierhilfe gleich eine große Rettungsaktion, wo es galt 48 Hunde aus einer Massenhaltung zu befreien. 9 völlig verwahrloste und geschundene Seelen wurden bei Silvi untergebracht, liebevoll gesund gepflegt und für die Vermittlung vorbereitet. Ganz besondere Zuwendung erhielt die behinderte Colliehündin Pucky. Sie konnte bei Ankunft weder laufen, noch Wasser trinken, litt an schweren Koordinations- und Bewegungsstörungen und sollte ursprünglich laut Veterinäramt eingeschläfert werden. Doch die kompetente Tierpflegerin sah dazu keine Veranlassung und lies sich nicht beirren. Mit einem aufwendigen Training förderte sie die Sinne des Hundes, brachte ihr das Laufen und Trinken bei, so dass Pucky wieder am Leben teilnehmen konnte. Es grenzte an ein Wunder. Zu allem Glück war eine andere Hündin noch trächtig, die dann vier gesunde Welpen bekam. Die Freude über den Erfolg und Zuwachs war groß unter den Vereinsmitgliedern. Viele Notfellchen folgten, wurden gepäppelt und in gute Hände vermittelt.

2008

Gleich mit Jahreswechsel musste der Verein wieder eine große Aufgabe bewältigen: 7 völlig vernachlässigte und kranke Ponys sollten zum Schlachter. Innerhalb eines Tages musste die 1. Vorsitzende Entscheidungen zur Rettung der Tiere treffen, einen Stall und den Transport organisiere. Doch auch diese Aktion stellte kein unlösbares Problem dar. Mit freiwilligen Helfern und großer Unterstützung der Bürger konnten alle Ponys gerettet, tierärztlich versorgt und hochgepäppelt werden. Anschließend durften auch sie ein neues Zuhause beziehen.

Der Bekanntheitsgrad der Tierhilfe nahm zu, sowohl was die Aufnahme von Tieren betraf, als auch die Vermittlung derer. Hunde, Katzen, Kaninchen, Ratten und andere Notfellchen fanden bei Silvi ein liebevolles Plätzchen bis zum Einzug ins neue Heim. Trotz aller Erfolge musste zum Ende des Jahres eine Krisensitzung des Vorstandes einberufen werden. Die Wirtschaftskrise machte sich breit und verschonte auch nicht die 1. Vorsitzende. Ihre Aufopferung für den Tierschutz bezog sich nicht alleine auf die fürsorgliche Betreuung der Vereinstiere, nein, auch finanziell unterstützte sie immer im großen Rahmen alle Projekte. Doch im Dezember des Jahres musste sie den Tatsachen ins Auge sehen und ihre Förderung einstellen. Diese schwerwiegende, aber unumgängliche Maßnahme führte zu einem finanziellen Engpass des Vereins, da somit nur noch für knapp 3 Monate die Versorgung der Vereinstiere gesichert war. War das nun das Aus der Tierhilfe Seesen, sollten viele Tiere ihr Obdach verlieren?

2009

"Tierschutz ist ein harter Kampf", so sagte Silvi bei der Gründungsversammlung des Vereins; und sie wusste wovon sie redete. Auch in dieser aussichtslosen Situation zeigte sie wieder ihren Kampfgeist und sagte: "Wir müssen für die Tiere kämpfen" und alle Mitglieder kämpften mit an ihrer Seite für die Tiere. Spendenaufrufe wurden im Internet und in den örtlichen Zeitungen gestartet, Firmen wurden angeschrieben und Sammelaktionen organisiert. Die ersten Spenden gingen ein und viele folgten, doch noch immer reichten die Mittel nicht aus um das Wohl der Tiere zu sichern und alle hofften auf ein Wunder. Plötzlich kam ein Anruf, ein Anruf der völlig unerwartet neue Hoffnung weckte. Das Filmteam von SAT1 Regional meldete sich zu einem Drehtag auf dem Anwesen an und wollte den kleinen Verein im Fernsehen präsentieren. So geschah dann das Wunder. Das Fernsehteam erschien und die eigentlich kamerascheue 1. Vorsitzende führte die Mannschaft über ihr Anwesen, stellte die vielen Tiere vor und berichtete von der misslichen Lage. Und mit Hilfe der Reportage konnte das Ruder wieder herumgerissen werden, denn viele Menschen zeigten Herz und spendeten für die Tiere der Tierhilfe Seesen.

Auch sonst zeigte sich das Jahr sehr turbulent. Unzählige Anrufe betreffend abzugebender Tiere und viele Tierschutzfälle begleiteten den Weg der engagierten Tierschützer. Die Zahl der zu vermittelnden Tiere schoss hoch und Platznot machte sich bemerkbar. Auch ein Pony wurde aus einer katastrophalen Haltung mit Hilfe des Veterinäramtes befreit, gesund gepflegt und in ein neues Zuhause entlassen. Und trotz des finanziellen Engpasses der 1. Vorsitzenden zeigte sie wieder ihre unendliche Tierliebe und baute aufwendig ihr Dachgeschoß zur Unterbringung von Katzen aus, so dass Ende des Jahres 3 herrliche Boxen von einigen Samtpfoten bezogen werden konnten. Aber auch ihre Privaträume teilte sie mit vielen Vereinstieren, besonders Katzen, die sie nächtelang mit der Flasche aufgezogen hatte. Die Spuren der vierbeinigen Bewohner an Möbel, Teppiche, Tapeten und sämtliche Schäden hielten sie dennoch nicht davon ab die Schützlinge liebevoll zu betreuen und für ihr weiteres Wohl zu sorgen.

2010

Auch wenn die Tierschützer mit sehr viel Hoffnung in das neue Jahr rutschten, holte sie die Realität doch schnell wieder ein. Die Wirtschaftskrise zeichnete sich inzwischen auch bei den Tierhaltern ab, worauf immer mehr Tiere zur Abgabe kamen. Darunter befanden sich auch viele Notnasen, die gar keine Chance mehr auf Vermittlung hatten und als Gnadenbrottiere weiter geführt wurden. Bereits im Februar musste Silvi die Initiative ergreifen und einen Patenschaftsaufruf für 5 kranke Hunde in der Presse veröffentlichen. Die Zukunft der Dauergäste war zu sichern. Diesbezüglich wurde auch die Homepage erweitert um die Bezeichnung "Gnadenhof" und eine neue Seite mit den Geschichten der einzelnen Tiere kreiert. Die Anteilnahme der Tierfreunde trug auch bald zu einer Verbesserung der Finanzlage bei, doch geplante Projekte, wie die Fertigstellung des Katzenhauses oder der Bau eines Freigeheges für Kaninchen, mussten auf Eis gelegt werden.

Leider verlief die Vermittlung der Tiere sehr schleppend und im Herbst war die Aufnahme von weiteren Katzen mehr nicht möglich. In der Not stellte die 1. Vorsitzende sogar ihre Pensionsräume zur Verfügung, so dass wenigstens noch einige Katzenwaisen gerettet werden konnten. Doch selbst für die Babys gab es keine Nachfrage und so drängte die Fertigstellung der restlichen Katzenboxen. Als ob die Gebete der Tierschützer erhört wurden, kam eines Tages ein Anruf von einer Baufirma aus Seesen, die das notwendige Holz spenden und den Aufbau des Grundgerüsts übernehmen wollte. Was dann auch zum Ende des Jahres Gott sein Dank geschah.

Am 28. August wurde zugunsten der Miezen der erste Flohmark auf dem Parkplatz der 1. Vorsitzenden veranstaltet. Er war ein voller Erfolg und so konnten auch gleich einige Katzen kastriert und Anschaffungen getätigt werden. Kurz darauf kam noch ein Notfall-Pony, gerade erst ein Jahr alt, in die Obhut des Vereins. Die kleine Stute erhielt den Namen Pepita, wurde rundherum medizinisch gut versorgt und gepäppelt und kurz darauf auch vermittelt. Auch einige Hunde konnten ein neues Zuhause beziehen, doch dafür rückten gleich einige neue nach.

Der 25. September war ein ganz schwarzer Tag, der besonders Silvi schwer zu schaffen machte. An diesem Tag musste sie die behinderte Colliehündin "Pucky", die sie 3,5 Jahre liebevoll gepflegt hatte, über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Es war ihr zwar bewusst, dass Pucky aufgrund ihrer Krankheit nie sehr alt werden würde, doch mit so einem schnellen Ende hatte sie nicht gerechnet. Tragischerweise musste sie sich kurz zuvor noch von einem jungen Kater verabschieden, der ein Katzenspielzeug gefressen hatte. Ihre Stimmung befand sich auf einem Tiefpunkt, was man ihr auf der Jahreshauptversammlung im Oktober deutlich ansah. Trotz der nervlichen Belastung nahm sie die Wahl zur 1. Vorsitzenden wiederum an, worüber alle Mitglieder sehr glücklich waren. So neigte sich das Jahr nach vielen Turbulenzen dem Ende zu.

 


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Stand: Sonntag, 27. November 2011

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